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Mein künstlerischer Werdegang

Geschichten begleiten mich, solange ich denken kann. Schon als Kind habe ich erlebt, welche Kraft sie entfalten können – lange bevor ich selbst auf einer Bühne stand. Heute arbeite ich als Schauspieler, Regisseur, Sprecher, Autor und Künstlerischer Leiter. So unterschiedlich diese Tätigkeiten auch erscheinen mögen, sie verbindet für mich ein gemeinsamer Gedanke: Menschen durch Geschichten zu berühren, zum Nachdenken anzuregen und Begegnungen zu ermöglichen.

 

Damals und heute

Ich lebe heute in Stuttgart – geboren wurde ich in Ellwangen/Jagst und bin gemeinsam mit meinen Geschwistern in einer kleinen Ortschaft auf der Ostalb aufgewachsen.

Schon früh zog es mich auf kleine Bühnen. Im Kindergarten schlüpfte ich begeistert in verschiedene Rollen, später folgten Theaterproduktionen während der Schulzeit. Damals geschah vieles noch ganz selbstverständlich – ohne zu ahnen, dass daraus einmal mein Beruf werden würde.

Neben dem Theater spielte auch der Sport eine wichtige Rolle in meinem Leben. Bis heute finde ich beim Tauchen oder Volleyball einen Ausgleich, der mir neue Energie für meine künstlerische Arbeit gibt.

 

Der Anfang

Mein beruflicher Weg begann zunächst in einer ganz anderen Welt. Nach meiner Ausbildung zum Bankkaufmann arbeitete ich mehrere Jahre in verschiedenen Filialen auf der Ostalb. Eine wertvolle Zeit, in der ich Verantwortung, Verlässlichkeit und den Umgang mit unterschiedlichsten Menschen lernte.

Dennoch wurde der Wunsch, Schauspieler zu werden, immer stärker. Zur Jahrtausendwende traf ich schließlich eine Entscheidung, die mein Leben bis heute prägt: Ich tauschte den Bankschalter gegen die Bühne und begann meine Ausbildung an der staatlich anerkannten Schauspielakademie live act in Stuttgart.

Dort lernte ich das Handwerk des Schauspielers – Rollenarbeit, Stimme, Bewegung, Bühnenkampf, Ensemblearbeit und vieles mehr. Noch wichtiger war für mich jedoch eine andere Erkenntnis: Theater bedeutet Verantwortung. Geschichten glaubwürdig zu erzählen und Menschen mit ihnen zu erreichen, wurde für mich zum eigentlichen Kern dieses Berufs.

 

Die Welt des Theaters

Meine ersten professionellen Engagements eröffneten mir eine faszinierende Vielfalt des Theaters. Schon früh durfte ich in klassischen Werken ebenso mitwirken wie in modernen Inszenierungen und Produktionen für Kinder und Familien. Jede Bühne stellte neue Fragen, jede Rolle eröffnete einen anderen Blick auf den Menschen.

Im Studio Theater Stuttgart spielte ich unter anderem den „Graf Guiche“ in Cyrano de Bergerac sowie den „Einstein“ in Dürrenmatts Die Physiker. Parallel dazu entdeckte ich im Kindertheater eine ganz eigene Form des Erzählens. Produktionen wie Ich mach Dich gesund, sagte der Bär, Kalif Storch, Der Tütendrache, Die zweite Prinzessin oder Meisterdetektiv Blomquist zeigten mir, wie unmittelbar Kinder auf Geschichten reagieren – ehrlich, offen und ohne Vorbehalte.

Es folgten Engagements am Theater der Altstadt Stuttgart, im Theaterhaus Stuttgart, am Theater am Olgaeck sowie bei der Spiel- und Theaterwerkstatt Ostalb. Jede Bühne hatte ihre eigene Handschrift und ihr eigenes Publikum. Gerade diese Vielfalt hat mich geprägt und meinen Blick auf das Theater immer wieder erweitert.

Auch über Baden-Württemberg hinaus durfte ich Erfahrungen sammeln, unter anderem bei den Schloßfestspielen Neersen in Nordrhein-Westfalen. Gleichzeitig blieb ich meiner Heimat eng verbunden. Als Ensemblemitglied und langjähriger Gastschauspieler der Württembergischen Landesbühne Esslingen führte mich mein Weg mit zahlreichen Produktionen durch das ganze Land – auf Theaterbühnen, in Schulen und Büchereien. Heute schließt sich für mich ein besonderer Kreis: Als Künstlerischer Leiter der Langenargener Festspiele darf ich an einem Ort Verantwortung übernehmen, an dem ich selbst einige Jahre als Schauspieler auf der Bühne stehen durfte.

 

Vom Spielen zum Gestalten

Schon früh wuchs in mir der Wunsch, Geschichten nicht nur als Schauspieler mitzugestalten, sondern sie als Regisseur von Anfang an zu entwickeln und gemeinsam mit einem Ensemble auf die Bühne zu bringen.

Meine ersten Regiearbeiten entstanden bereits 2002 in der Theatergalerie Neckartailfingen. Es folgten Inszenierungen für Kinder- und Jugendproduktionen, Tätigkeiten als Regieassistent am Theater der Altstadt Stuttgart sowie zahlreiche eigene Regiearbeiten für unterschiedliche Ensembles.

Besonders reizvoll finde ich bis heute die gemeinsame Entwicklung einer Inszenierung. Jede Produktion beginnt mit einem leeren Probenraum und vielen Fragen. Erst im Miteinander entstehen Figuren, Beziehungen und schließlich eine Geschichte, die das Publikum berühren kann.

Im Laufe der Jahre durfte ich Komödien, Schauspiele, Musiktheater und eigene Stückentwicklungen inszenieren. Produktionen wie Venedig im Schnee, Das Herz eines Boxers, Die 39 Stufen, Memoiren der Sarah Bernhardt, LUNA BAR oder Bäck MESS stehen dabei stellvertretend für viele Projekte, die mich auf ganz unterschiedliche Weise geprägt haben.

Eine besondere Erfahrung war für mich das Projekt „Sei mein Nachbar“ des Kreisjugendrings Esslingen. Menschen unterschiedlichster Herkunft kamen dort durch Kultur, Kulinarik und Theater miteinander in Begegnung. 2019 wurde das Projekt vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) als „Projekt des Monats“ ausgezeichnet. Hier wurde für mich besonders deutlich, dass Theater weit mehr sein kann als Unterhaltung – nämlich ein Ort der Begegnung, des Austauschs und des gegenseitigen Verständnisses.

Mit jeder Regiearbeit verlagerte sich mein Blick ein Stück weiter von der einzelnen Rolle auf das große Ganze. Mich interessiert bis heute nicht nur, wie Figuren wirken, sondern vor allem, was eine Inszenierung beim Publikum auslöst. Genau darin liegt für mich die besondere Verantwortung und zugleich die große Faszination der Regie.

 

 

Erfahrungen weitergeben

Im Laufe meiner künstlerischen Arbeit durfte ich viele Erfahrungen sammeln. Dieses Wissen weiterzugeben, empfinde ich bis heute als Bereicherung – nicht im Sinne klassischen Unterrichts, sondern als gemeinsames Entdecken.

Seit vielen Jahren begleite ich junge Filmschaffende im Rahmen des Drehbuchpreises „Tatort Bodensee“ des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg und des SWR. Dabei unterstütze ich die Teams von der Vorbereitung bis zu den Dreharbeiten und begleite insbesondere die jungen Darstellerinnen und Darsteller bei ihren ersten Erfahrungen vor der Kamera.

Auch im Theater arbeite ich immer wieder mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Im Rahmen meiner Inszenierungen entstehen Begegnungen, in denen nicht nur Rollen entwickelt werden, sondern häufig auch Selbstvertrauen, Teamgeist und die Freude daran, gemeinsam etwas entstehen zu lassen.

Darüber hinaus durfte ich mein Wissen in Schauspielworkshops, Filmprojekten sowie vereinzelt im Musicalbereich weitergeben. Besonders schön ist für mich dabei der Moment, wenn Menschen entdecken, was in ihnen steckt – oft lange bevor sie es selbst glauben.

Mit der Stimme erzählen

Ob auf der Bühne oder vor dem Mikrofon – die Stimme ist für mich weit mehr als ein Werkzeug. Sie transportiert Atmosphäre, Emotionen und erzählt Geschichten oft schon, bevor das erste Bild entsteht.

Als Sprecher arbeite ich für Dokumentationen, Podcasts, Werbe- und Imagefilme sowie Hörformate unterschiedlichster Art. Darüber hinaus durfte ich Figuren für Synchronproduktionen und Kinofilme meine Stimme leihen und als Overvoice Dokumentationen begleiten.

Besonders spannend finde ich die Vielfalt dieser Arbeit. Jede Produktion stellt andere Anforderungen, jede Stimme erzählt ihre eigene Geschichte. Mal ist Zurückhaltung gefragt, mal Humor, mal Kraft oder große Emotionalität. Genau diese Vielseitigkeit macht die Arbeit am Mikrofon für mich bis heute so faszinierend.

Neben meiner Tätigkeit als Sprecher durfte ich zahlreiche Lesungen, Moderationen und Bühnenprogramme gestalten. Begegnungen mit Autorinnen und Autoren aus dem In- und Ausland sowie gemeinsame Projekte mit Musikerinnen und Musikern haben meinen Blick auf Sprache und ihre Wirkung immer wieder erweitert.

Ganz gleich, ob vor Publikum oder im Tonstudio – für mich beginnt gutes Sprechen immer mit aufmerksamem Zuhören. Erst wenn ich verstehe, was ein Text erzählen möchte, kann ich ihm eine glaubwürdige Stimme geben.

 

Verantwortung übernehmen

Mit den Jahren entstand in mir zunehmend der Wunsch, nicht nur bestehende Geschichten zu erzählen, sondern eigene zu entwickeln.

Gemeinsam mit meiner Kollegin Nicole Bender entstand das Kinderbuch „Enno, der kleine Elepfant“ – bewusst mit einem „p“, hinter dem sich eine ganz eigene Geschichte verbirgt. Aus dem Buch entwickelte sich das ToNi Lesetheater, mit dem wir Kinder in Büchereien, Kindergärten und anderen Einrichtungen auf spielerische Weise für Geschichten und das Lesen begeistern.

Auch als Autor für die Bühne begann ich, eigene Stoffe zu entwickeln. Mit den Musiktheaterproduktionen „LUNA BAR“ und später „Bäck MESS“ entstanden gemeinsam mit dem Theater LUNTE zwei sehr persönliche Arbeiten, die erfolgreich uraufgeführt wurden.

Heute fließen viele meiner Erfahrungen zusammen. Als Schauspieler, Regisseur, Autor und Künstlerischer Leiter darf ich Geschichten aus unterschiedlichen Perspektiven begleiten – von der ersten Idee bis zur Aufführung vor Publikum.

Je länger ich diesen Beruf ausübe, desto deutlicher wird mir, dass all diese Aufgaben für mich einem gemeinsamen Gedanken folgen: Geschichten können Menschen miteinander verbinden. Sie schaffen Begegnungen, öffnen neue Perspektiven und bleiben oft noch lange nach dem Schlussapplaus in Erinnerung.

 

Vor der Kamera

Neben dem Theater hat mich schon früh auch die Arbeit vor der Kamera begeistert. Sie verlangt eine andere Form des Spiels – leiser, konzentrierter und oft auf kleinste Nuancen reduziert. Gerade dieser Wechsel zwischen Bühne und Kamera fasziniert mich bis heute.

Von ersten Fernsehproduktionen und Kurzfilmen führte mich mein Weg zu unterschiedlichen Kino-, Fernseh- und Werbeproduktionen. Dabei durfte ich sowohl Haupt- und Nebenrollen übernehmen als auch mit vielen erfahrenen Schauspielkolleginnen und -kollegen zusammenarbeiten.

Besonders spannend finde ich die Vielfalt dieser Arbeit. Jede Produktion bringt neue Menschen, neue Geschichten und neue Herausforderungen mit sich. Mal entstehen humorvolle Formate, mal ernste Figuren oder ungewöhnliche Charaktere. Genau diese Abwechslung macht für mich den Reiz der Arbeit vor der Kamera aus.

Auch in Werbe- und Imagefilmproduktionen sowie bei Fotoshootings schätze ich die Möglichkeit, mich immer wieder auf neue Themen, Rollen und Arbeitsweisen einzulassen. Für mich ist Film keine Alternative zum Theater, sondern eine wunderbare Ergänzung – eine weitere Möglichkeit, Geschichten zu erzählen und Menschen zu erreichen.

 

Warum ich tu, was ich tu

Wenn ich heute auf meinen Weg zurückblicke, erkenne ich weniger verschiedene Berufe als einen gemeinsamen roten Faden.

Ob auf der Bühne, im Probenraum, vor der Kamera oder am Mikrofon – immer wieder geht es für mich darum, Geschichten zu erzählen, die Menschen berühren, zum Nachdenken anregen und Begegnungen ermöglichen.

Ich bin dankbar für die vielen Erfahrungen, die ich sammeln durfte, für all die Menschen, die mich auf meinem Weg begleitet haben, und für das Vertrauen, das mir immer wieder entgegengebracht wird.

Vielleicht begann alles mit den erfundenen Gutenachtgeschichten meines Vaters.

Heute darf ich selbst Geschichten erzählen.

Nicht, weil ich Antworten geben möchte.

Sondern weil ich daran glaube, dass gute Geschichten etwas in uns bewegen können.

Denn jede Geschichte beginnt mit einem Menschen.

 

Quelle Bilder:
Anzug: Ralf Erhard / arvato
THE CHÄNCE: Simone Schneider, Panama Werbeagentur
Blaumann: David Franck / Mercedes Benz

About The Author

Torsten Hoffmann
Torsten Hoffmann ist staatlich anerkannter Schauspieler, Sprecher sowie Theater-Regisseur, Autor für Bühnenstücke und Kinderbücher